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"Die Nonnenfrau" auf der Suche

Sehr persönlich zeichnet die ehemalige Ordensschwester Karin Dachs ihren Weg ins Kloster nach. Sie schreibt über die Erfahrungen, die sie in ihren 10 Jahren als Nonne gemacht hat und ihre Entscheidung den Orden wieder zu verlassen und eine Familie zu gründen.




In einer Schreibtischschublade findet sich eine alte Diskette. „"Da hab ich mal mein Leben aufgeschrieben. Ist nicht so wichtig", meint die Erzählerin zu ihrem Mann. Ihm aber schon und so erfährt der Leser die außergewöhnliche Geschichte einer Frau, die hart kämpfen musste, um ihren Platz im Leben zu finden.

"Die „Nonnenfrau"“ zeichnet ausführlich die Kindheitsgeschichte der Erzählerin nach, im Zentrum steht dabei die schwerkranke Mutter, die zum Pflegefall wird. Die Autorin setzt dabei nicht auf verklärte Bilder sondern schildert sehr eindringlich und authentisch, welche Auswirkungen ein Krankheitsfall auf das tägliche Leben und die einzelnen Familienmitglieder haben kann. So bestehen die ersten Jahre der Ich-Erzählerin im Wechsel aus Hausarbeit und Schulaufgaben, erst mit dem Eintritt in die Klosterschule eröffnet sich für sie ein neuer Abschnitt und der erste Kontakt mit den Ordensschwestern zeigt ihr eine andere, für sie bisher fremde Welt, in der sie auf Gleichgesinnte trifft.

Der Entschluss Nonne zu werden reift, aber die Unerstützung der Eltern bleibt aus: „"Wenn du wirklich ins Kloster gehst, kommst du mir nie wieder über diese Türschwelle!"“ Schwierige Zeiten kündigen sich an. Mit 18 verliert sie ihren Vater und steht endgültig vor der Entscheidung, ob sie den Ordensschwestern beitritt oder zu Hause bei ihrer Mutter bleibt. Der Weg führt ins Kloster. Kurz umreißt die Erzählerin die Aufnahmeriten und Aufgaben, die sie zu bestehen hat, im Mittelpunkt steht aber vielmehr die Suche nach dem eigenen Selbst, der eigenen Bestimmung: „"keine Erfüllung * oberflächliche Begegnungen * unerfülltes Hoffen",“ notiert die Autorin in ihrem Tagebuch, damals schon eine Weile hinter Klostermauern. Ihre Mutter, inzwischen im Pflegeheim, hat sich mit der Entscheidung der Tochter immer noch nicht abgefunden, gibt ihr die Schuld am Tod des Vaters.

Zwei Jahre später wieder ein Tagebucheintrag: „"Mein Leben war die ganze Zeit über eine Lüge: Zugeschütteter Schmerz, verborgene Sehnsüchte, ich habe alles verborgen, hinter einem strahlenden Gesicht.", der Austritt aus dem Orden steht bevor. Es braucht Zeit, um sich an das Leben außerhalb zu gewöhnen und noch mehr Zeit, um sich über den eigenen Platz in diesem Leben bewusst zu werden. Am Ende steht aber der liebevolle Ausblick auf eine hoffnungsvolle Zukunft: „"Die Liebe aber ist stärker als die Angst und ich tanze zu seinen Rhythmen, ich tanze mich frei, ich tanze hinein in unser neues gemeinsames Leben."“

Sehr persönlich schreibt Karin Dachs über ihren Weg, der sie ins Kloster und nach zehn Jahren wieder hinaus führte. Der Leser erfährt dabei von inneren Kämpfen, Zweifeln, Zorn und Ratlosigkeit. Es scheint dabei weniger eine Suche nach Gott, als eine Suche nach dem eigenen Selbst zu sein, auf die sich die Erzählerin begibt. Der Versuch sich aus vorgegebenen Rollen zu lösen, aufhören zu spielen und beginnen zu leben. Etwas was uns alle, gläubig oder ungläubig, interessieren sollte.


Thomas Macher
thomas.macher@die-eule.at
Bild: Verlag Riedenburg

"Die Nonnenfrau" auf der Suche | 5 Kommentar(e) | Neuen Account anlegen
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"Die Nonnenfrau" auf der Suche
Autor: Sr. Irene König am Mittwoch, 17. Juni 2009, 20:47 Uhr
Ich finde dieses Buch sehr berührend. Es zeigt mir, wie tief und stark Glaube sein kann. Karin Danninger ist als Kind durch die Hölle gegangen und ist dadurch zu einer ganz persönlichen Gottesbeziehung gekommen. Und meine Überzeugung ist: mit Gott an der Seite lässt sich das Leben bewältigen - auch in sehr kritischen Zeiten.

Danke Karin für deine persönliche Geschichte, du machst mir Mut, meinen Glauben nicht zu verstecken sondern zu bezeugen.
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"Die Nonnenfrau" auf der Suche
Autor: wasserfall am Samstag, 20. Juni 2009, 22:07 Uhr
Die Autorin schildert Erlebnisse ihrer Kindheit vor dem Hintergrund der schweren Erkrankung ihrer Mutter. Sehr nahe sind mir so manche Beschreibungen ihrer Gefühlswelt als Kind gegangen-so manche Dialoge zwischen ihr und ihrem Vater, Mutter oder Bruder haben mich sehr berührt.
Man erfährt wie die Autorin als sehr junger Mensch „den“ Glauben für sich als Halt entdeckt und trotz Unverständnis ihrer Familie versucht den Weg zu gehen, der ihr für sie richtig erscheint. Wie schwierig ist es doch den Weg zu finden der sich für einen gut anfühlt-aber wie schwierig wird es erst wenn kein Vertrauter da ist, der einen bestärkt sondern man auch noch mit Zweifel, Schuldgefühlen und Einsamkeit konfrontiert ist. Sie schildert ihren Weg den sie geht-ungewöhnlich, mutig, stark. Mich hat es „angesteckt“ und meine ungewöhnlichen, mutigen und starken Anteile in mir angesprochen.
Kein Buch, das mit einem Glas Wein leicht die Kehle hinunter rinnt. Aber ein Buch das berührt und fesselt.

~Was uns als Menschen ausmacht ist die Fähigkeit zu einem Neuanfang~ (Avishai Margalit, israelischer Philosoph)
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"Die Nonnenfrau", genaue Beobachtungen
Autor: Wolfgang Wenger am Samstag, 27. Juni 2009, 15:15 Uhr
"Die Nonnenfrau" ist ein berührendes Buch im besten Sinne. Ehrlich, aber nicht larmoyant berichtet die Autorin über triste Kindheitserfahrungen, ihre Hoffnungen im Kloster und ihren Abschied vom Leben als Nonne. Die große Stärke des Romans sind die genauen Beobachtungen. Das Buch rechnet nicht mit der Vergangenheit ab, zeigt aber die Wunden, ohne anzuklagen. Ein Ausspruch des Künstlers Joseph Beuys fällt mir dazu ein: "Wer seine Wunde zeigt, wird geheilt. Wer sie verbirgt, wird nicht geheilt." In diesem Sinn macht der Text Mut, die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und einen ehrlichen und doch liebevollen Blick auf die eigene Geschichte zu wagen.
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"Die Nonnenfrau" auf der Suche
Autor: cavebear am Dienstag, 30. Juni 2009, 11:56 Uhr
Die Schilderung des Lebenswegs der Autorin hat auch mich, als nicht religiös gebundenen Leser, berührt und an viele Stationen des eigenen schwierigen Wegs durch Kindheit und Jugend erinnert.
Mehr ein Tagebuch als Roman gibt die "Nonnenfrau" mit großer Ehrlichkeit Einblick in viele dunkle und wenige lichte Momente eines unkonventionellen Werdegangs und hilft wohl auch manchem Leser die eigenen Wege und Irrwege besser zu begreifen und zu bewältigen. Die Autorin verliert sich aber nicht in der Schilderung menschlicher Abgründe und Verletzungen, sie zeigt auch, dass es Sinn macht, seinen eigenen Weg zu gehen, die Grenzen gesellschaftlicher und kirchlicher Konventionen zu überwinden und so das eigene Leben zu formen.
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Suche nach dem Selbst oder Gottsuche?
Autor: Maria Voithofer am Sonntag, 15. November 2009, 23:03 Uhr
Mich hat im Buch berührt, wie ehrlich Karin Dachs ihren Weg schildert. Diese Geschichten schreibt das Leben, wie es in der Realität eben ist. Um auf einen bereits abgegebenen Kommentar einzugehen - ich kann im Buch und in den niedergeschriebenen Erfahrungen nicht zwischen der Suche nach dem Selbst oder der Gottsuche unterscheiden. Für mich ist die Erfahrung von Karin Dachs ein Zeichen dafür, dass die Suche nach Gott zutiefst zu sich selber führt. So wie z.B. die Israeliten in der Wüste wohl nach Gott gesucht haben bzw. seinem Ruf nach Freiheit gefolgt sind, aber eben auch genauso eine Bleibe für sich gesucht haben, das verheissene Land - einen Ort, sich entfalten zu können. Und da haben alle Motive Platz: schlicht der Wunsch nach Leben, aber auch die Sehnsucht nach Gott.
Das Buch spornt an, seinem eigenen Gespür zu trauen, und Gott zu trauen.
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